Wirtschaftliche Rahmenbedingungen 2014/15
Im Berichtsjahr hat die Weltwirtschaft wieder leicht an Dynamik gewinnen können. Allerdings fiel die Erholung nach zwei wirtschaftlich schwachen Jahren weiter verhalten aus.
Während sich in den USA insgesamt die Frühindikatoren verhältnismäßig robust entwickeln, ist für die Länder der Eurozone erneut eine Abschwächung zu beobachten. Insgesamt bleiben die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowohl in der Eurozone als auch in den Schwellenländern schwierig. Für 2015 erwarten wir daher lediglich ein Wirtschaftswachstum, das voraussichtlich allenfalls leicht oberhalb des erwarteten Wertes für 2014 von 2,4 Prozent liegen wird. Das Wachstum fällt damit voraussichtlich im langfristigen Vergleich weiter unterdurchschnittlich aus.
Gleichzeitig haben die weltwirtschaftlichen Risiken wieder leicht zugenommen. Der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland beeinträchtigt auch außerhalb der beiden Länder das Wachstum. Zudem vergrößern die politischen Konflikte im Nahen Osten insgesamt die Unsicherheit. Ferner dauert die Konsolidierung der Staatsverschuldung in der Eurozone weiter an, dabei sind erneute Rückschläge nicht auszuschließen. Daher erwarten wir für Westeuropa allenfalls eine leichte Wachstumsverbesserung im neuen Geschäftsjahr. Für Osteuropa rechnen wir wieder mit einem etwas höheren Wachstum, nach der schwachen Wachstumsbasis 2014 mit unter 1 Prozent Wachstum. Starke Wachstumsimpulse gehen von der Region aber auch weiterhin nicht aus. Gleiches gilt für Asien, für das wir bestenfalls ein Wachstum leicht oberhalb dieses Jahres erwarten. Insgesamt ist die Weltwirtschaft daher nach Finanz- und Staatsschuldenkrise noch nicht wieder auf einem nachhaltig wirtschaftlichen Wachstumspfad angekommen.
Deutschland
Die deutsche Wirtschaft hat im abgelaufenen Geschäftsjahr zunächst Fahrt aufgenommen, jedoch im weiteren Jahresverlauf stark an Dynamik eingebüßt. Insgesamt wuchs die deutsche Wirtschaft im westeuropäischen Vergleich mit voraussichtlich 1,3 Prozent aber weiter überdurchschnittlich. Die Vorlaufindikatoren zeigten allerdings zuletzt nach unten – auch aufgrund des sich abschwächenden weltwirtschaftlichen Umfelds. Daher erwarten wir 2015 zwar insgesamt ein solides Wirtschaftswachstum in der Größenordnung von 1 Prozent, das aber voraussichtlich unterhalb des Zuwachses im Jahr 2014 bleiben wird. Das Wachstum wird jedoch voraussichtlich ausreichen, um eine stabile Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt zu gewährleisten. Daher erwarten wir für Konsum und Handel ein solides Wachstum in ähnlicher Größenordnung wie im abgelaufenen Geschäftsjahr. Die deutsche Wirtschaft steht zwar im europäischen Vergleich weiterhin gut da. Allerdings könnte eine anhaltend unterdurchschnittliche Investitionstätigkeit auch die mittelfristigen Wachstumsaussichten beeinträchtigen.
Westeuropa
Die Wirtschaftsdynamik in Westeuropa fiel – trotz einer moderaten Erholung – im Berichtsjahr insgesamt weiter verhalten aus. Anhaltende Konsolidierungsbemühungen der öffentlichen Haushalte wirken nach wie vor dämpfend auf die konjunkturelle Erholung. Auch die Auslandsnachfrage entwickelt sich insgesamt nur schwach. Gleichzeitig zeigen die Vorlaufindikatoren für viele Länder bereits wieder nach unten. Das Risiko einer erneuten Rezession ist dabei durchaus gegeben. Insgesamt rechnen wir aber nach einem Wirtschaftswachstum von knapp 1 Prozent im Jahr 2014 für 2015 mit einem Wachstum in ähnlicher Größenordnung. Gestützt wird das Wachstum dabei auch durch die Euroabwertung gegenüber dem Dollar, die die Exportaussichten insgesamt verbessert.
Aufgrund der weiter unterdurchschnittlichen Wachstumsaussichten wird die Arbeitslosigkeit weiter nur sehr langsam zurückgehen. Daher ist auch für den Handel nur mit wenigen Impulsen zu rechnen. Nach einem nominalen Wachstum von knapp 0,5 Prozent im abgelaufenen Geschäftsjahr erwarten wir für das laufende Geschäftsjahr allenfalls ein leicht höheres nominales Plus in der Größenordnung von 1 Prozent. Preisbereinigt wäre das gleichbedeutend mit einer Stagnation.
Dabei bleiben die Unterschiede in der wirtschaftlichen Entwicklung zwischen den stark von der Wirtschaftskrise betroffenen Peripherieländern und den deutlich robusteren Kernländern weiterhin sichtbar. Zwischen den vormaligen Krisenländern zeigen sich jedoch bereits deutliche Unterschiede. Insbesondere Spanien entwickelt sich in eine positive Richtung, sowohl die Gesamtwirtschaft als auch der Handel werden voraussichtlich auch im neuen Geschäftsjahr im westeuropäischen Vergleich überdurchschnittlich wachsen. Schwierig bleibt die Entwicklung dagegen in Italien. Hier fehlen nach wie vor durchgreifende Reformen zur Stärkung der Wirtschaftsleistung. Von den Kernländern erwarten wir insbesondere für Frankreich auch im neuen Geschäftsjahr nur eine schwache Wirtschaftsentwicklung. Ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum und damit auch solide Rahmenbedingungen für den Handel erwarten wir – außer für Deutschland – insbesondere für Österreich und die Schweiz sowie die skandinavischen Länder.
Osteuropa
Die Länder Mittel- und Osteuropas haben sich im abgelaufenen Geschäftsjahr unterschiedlich entwickelt. Insbesondere die Länder Mitteleuropas konnten aufgrund der wirtschaftlichen Verflechtung ein wenig an der langsamen Erholung Westeuropas partizipieren. In Osteuropa gestalteten sich dagegen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schwierig, vor allem in Russland und der Ukraine im Zuge des politischen Konflikts, aber auch in der Türkei.
Trotz leicht verbesserter Wirtschaftsentwicklung in Mitteleuropa konnte die Region Osteuropa als Ganzes daher im abgelaufenen Geschäftsjahr nur um knapp 1 Prozent wachsen. Für 2015 rechnen wir insgesamt wieder mit einem etwas höheren Wachstum. Sehr wahrscheinlich wird es aber unterhalb von 2 Prozent liegen und damit ein weiteres Jahr unterhalb des Wachstumspotenzials der Region bleiben. Wesentlich für die Region werden dabei der andauernde Konflikt in der Ukraine sowie die Entwicklung in der Eurozone sein. Insgesamt gehen wir davon aus, dass die heterogene Entwicklung in der Region auch 2015 Bestand hat, wobei insbesondere die Länder in Mitteleuropa, unter anderem Polen und Ungarn, aber auch Tschechien und die Slowakei, voraussichtlich eine solide Wirtschaftsentwicklung zeigen werden. Während sich die ukrainische Wirtschaft voraussichtlich weiter rückläufig entwickeln wird, erwarten wir für Russland zumindest wieder ein leichtes Wachstum. Mittelfristig erwarten wir für Osteuropa wieder eine höhere Dynamik und die Ausschöpfung des hohen Nachholpotenzials.
Die unterdurchschnittliche Wirtschaftsentwicklung schafft weiter schwierige Rahmenbedingungen für das Handelsgeschäft. Höhere nominale Wachstumsraten im Handel wie in Russland und der Türkei sind überwiegend preisgetrieben. Insbesondere in Russland sind durch den Importstopp für Lebensmittel die Preise zuletzt deutlich gestiegen. Es ist zu erwarten, dass diese Entwicklung weiter andauert. In den mitteleuropäischen Ländern erwarten wir zwar deutlich moderatere Wachstumsraten im Handel in der Größenordnung von 3 Prozent. Aufgrund wesentlich niedrigerer zu erwartender Inflationsraten bedeutet das Wachstum preisbereinigt aber immerhin noch knapp 2 Prozent reales Wachstum.
Asien
Die Schwellenländer in Asien verzeichneten im abgelaufenen Geschäftsjahr erneut das höchste Wirtschaftswachstum. Auch für 2015 erwarten wir für Asien das höchste Wachstum innerhalb der Regionen, in denen die METRO GROUP tätig ist. Das Wachstum wird dabei voraussichtlich in der Größenordnung von rund 4 Prozent liegen (2014: 3,8 Prozent) – inklusive Japan, für das wir ein Wachstum von rund 1 Prozent oder leicht darüber erwarten. Mittelfristig ist das Wachstumspotenzial der asiatischen Schwellenländer weiterhin hoch. Allerdings gibt es dort nach wie vor Bedarf bezüglich struktureller Reformen zur Stärkung der Wirtschaftskraft.
China konnte im Berichtsjahr mit etwas über 7 Prozent erneut das höchste Wirtschaftswachstum aller Länder, in denen die METRO GROUP tätig ist, aufweisen. Für 2015 erwarten wir eine Entwicklung leicht darunter. Insgesamt bleibt die Wirtschaftsentwicklung der zweitgrößten Volkswirtschaft weiter hinter der Wachstumsdynamik der vergangenen Jahre zurück. Der von der Regierung eingeleitete Kurs eines Abbaus von bestehenden Ungleichgewichten und eine weitere wirtschaftliche Liberalisierung sind jedoch geeignet, die Wachstumsdynamik mittelfristig zu erhöhen.
Die Bedingungen für den Handel in den asiatischen Schwellenländern sind insgesamt weiter vergleichsweise gut. Für China und Indien erwarten wir für 2015 erneut nominale Wachstumsraten im zweistelligen Bereich. Der Anstieg wird dabei in Indien auch weiter inflationsbedingt sein: Die Zunahme der Verbraucherpreise geht als Folge von Leistungsbilanzdefizit und anschließender Währungsabwertung erst allmählich zurück. Im gesättigten Markt Japans ist nach der Anhebung der Mehrwertsteuer im Berichtsjahr und den damit verbundenen Vorzieheffekten 2015 insgesamt nur mit einer moderaten Handelsdynamik zu rechnen.
Aufbauend auf unserem Ausblick zur Wirtschafts- und Handelsentwicklung gibt der folgende Abschnitt einen Überblick über die Folgen in einzelnen Branchen sowie für unsere Vertriebslinien.