Innovationsmanagement

Als Handelsunternehmen stellt die METRO GROUP keine eigenen Produkte her und betreibt folglich keine Forschung und Entwicklung im engeren Sinn. Im Rahmen unseres Innovationsmanagements verfolgen wir vielmehr das Ziel, unsere Neupositionierung in einem sich wandelnden Umfeld voranzutreiben.

Denn unsere Branche befindet sich in einem tief greifenden Veränderungsprozess, der insbesondere durch die Digitalisierung vorangetrieben wird. So sind beispielsweise Smartphones und Tablet-Computer zu einem wichtigen Bestandteil unseres Lebens geworden. Durch die daraus resultierende permanente Verfügbarkeit von Produkt- und Leistungsinformationen entsteht eine hohe Preistransparenz und Online-Händler steigen zu bedeutsamen Konkurrenten auf. Mit dem Ziel einer erfolgreichen Neupositionierung setzen wir unseren Schwerpunkt daher auf die Weiterentwicklung und Optimierung unserer stationären Handelsformen: Bewährtes wird mit neuen Elementen zu innovativen Vertriebsformaten vereint. In der Adaption von Strategien und Technologien aus der digitalisierten Welt sehen wir für unser Unternehmen eine Chance, bestehende und potenzielle Kunden auf neuen Wegen zu erreichen.

Für die METRO GROUP ist es folglich unerlässlich, Synergien zwischen dem Internet- und dem Präsenzhandel zu nutzen. Unsere Vertriebslinien haben bereits frühzeitig damit begonnen,

Strategien zu entwickeln, um das Potenzial des Online-Vertriebs und der digitalen Technologien – in Ergänzung und zur Unterstützung des stationären Geschäfts – zu erschließen. Im November 2013 hat die METRO GROUP zusätzlich eine neue Organisationseinheit Business Innovation geschaffen, die sich in fünf Schwerpunktfeldern (siehe Grafik) systematisch und intensiv mit Innovationen und neuen Geschäftsmodellen befasst.

Die fünf Innovationsfelder der METRO GROUP

Die fünf Innovationsfelder der METRO GROUP (Grafik)

Die eigentliche Ausgestaltung der Innovationen liegt in der Verantwortung der Vertriebslinien. Überwiegende Aufgabe der neuen Organisationseinheit ist es, die bestehenden Aktivitäten zu bündeln sowie zu unterstützen und die Umsetzung von Innovationsprojekten voranzutreiben. Dazu zählt, den vertriebslinienübergreifenden Austausch zwischen eigenen Experten, externen Partnern und Hochschulen zu fördern. Darüber hinaus beteiligt sich die METRO GROUP über Venturecapital an Start-up-Unternehmen. In unserem Innovationsmanagement unterscheiden wir evolutionäre von revolutionären Prozessen. Erstere beschreiben die Optimierung und Weiterentwicklung bestehender Vertriebsformen; Letztere die Bewertung, den Test und die Realisierung neuer Geschäftsmodelle.

Mit unserem Innovationsmanagement schaffen wir so einen zeitgemäßen Multichannel-Handel. Im Grunde geht es darum, den Kunden dort zu erreichen, wo er seine Kaufentscheidung trifft: Im Büro vor dem PC, auf dem Sofa mit dem Tablet-Computer in der Hand, unterwegs über das Smartphone oder im Markt, wo unsere Vertriebslinien unmittelbar erlebbar und unsere Mitarbeiter persönlich ansprechbar sind.

Unsere Vertriebslinien testen in den genannten fünf Innovationsfeldern bereits zahlreiche Neuerungen beziehungsweise setzen diese erfolgreich um. Ausgewählte Beispiele hierfür sind im Folgenden dargestellt.

In einigen Pilotmärkten bei METRO Cash & Carry erhalten Kunden individualisierte, auf ihren Bedarf zugeschnittene Angebote in Form von Coupons – so lassen sich Streuverluste in der Werbung verringern. Seit Einführung des sogenannten Targeted Marketing im Oktober 2013 wurden in Deutschland, den Niederlanden, Polen und Rumänien zahlreiche mehrstufige Kampagnen mit über zehn Millionen Empfängern durchgeführt.

Media-Saturn steht im unmittelbaren Wettbewerb zur Online-Konkurrenz und muss sich vor allem an der schnellen Warenauslieferung messen lassen. Seit April 2014 testen Media Markt und Saturn in Deutschland einen noch kundenfreundlicheren Lieferservice: Kunden können nun beim Kauf zwischen einer Zustellung innerhalb von drei Stunden (Expresslieferung) oder zu einem vereinbarten Wunschtermin wählen. Expresslieferungen werden zunächst in sieben ausgewählten deutschen Städten erprobt; beim Erfolg der Testphase soll der Service schrittweise in weiteren deutschen Ballungszentren angeboten werden. In Ingolstadt hat Media Markt im September 2014 zudem den weltweit ersten Drive-in-Markt für Elektronikartikel eröffnet. Kunden können hier einfach mit dem Auto vorfahren, am Schalter die Bestätigung für die zuvor bestellten Waren vorlegen und ihren Einkauf in Empfang nehmen.

Real hat eine neue App eingeführt. Kunden können sich aktuelle Angebote nicht nur in Form eines digitalen Verkaufsprospekts anzeigen lassen, sondern erhalten darüber auch detailliertere Produktinformationen. Die App bietet dazu eine Produktsuche an. Zusätzlich lässt sich der Barcode auf der Verpackung mit der Smartphone-Kamera einscannen, um Zugriff auf weiterführende Informationen zu erhalten. Ein wichtiger Bestandteil der App ist die digitale Einkaufsliste, die von mehreren Personen gleichzeitig genutzt und bearbeitet werden kann. Die Daten hierzu sind in einem Online-Speicherplatz hinterlegt. Weitere Funktionen sind ein digitales Sammelheft zur Verwaltung von Coupons –Payback-Punkten und Real-Treuepunkten – sowie Bewertungsmöglichkeiten für Eigenmarken der Vertriebslinie. Auf diese Weise kann Real Anregungen der Kunden bei der Entwicklung neuer Produkte beziehungsweise der Verbesserung existierender Artikel berücksichtigen.

Um künftiges Wachstum zu ermöglichen, treibt Galeria Kaufhof die konsequente Verzahnung von Warenhaus- und Online-Geschäft voran, also die Integration stationärer und digitaler Vertriebswege in die Beratung und in den Verkauf. Seit Mitte 2014 setzen die Mitarbeiter unserer Vertriebslinie in Beratungsgesprächen mit Kunden auch Tablet-Computer ein. Über die Geräte ist ein Zugriff auf Warenbestände möglich, die nicht vor Ort verfügbar sind oder die nicht zum gängigen Sortiment der Filiale gehören. Über den Tablet-Computer können Mitarbeiter direkt Bestellungen auslösen. Die Auslieferung erfolgt wahlweise an eine Wunschadresse oder an das jeweilige Warenhaus. Derzeit sind rund 1.100 Tablet-Computer im Einsatz.

Auch darüber hinaus halten neue Technologien Einzug in die Märkte und Filialen unserer Vertriebslinien. Sowohl Galeria Kaufhof als auch Real bieten ihren Kunden neue Zahlungssysteme an. Dazu gehören beispielsweise Selbstzahlerkassen sowie Kassen, die mit der drahtlosen Übertragungstechnik NFC (Near Field Communication) ausgestattet sind. Damit lassen sich Einkäufe mit kompatiblen Karten oder Mobiltelefonen kontaktlos bezahlen. METRO Cash & Carry wiederum hat alle Großmärkte in Deutschland mit digitalen Kennzeichnungssystemen für Warenregale (Electronic Shelf Labels) ausgestattet. Künftige Formen dieser Labels können unseren Vertriebslinien einen innovativen Weg bieten, neuen Informationspflichten gegenüber Kunden gerecht zu werden.